Nach Palworld, das wie Pokémon aussieht, kommt nun Pickmon, das gleich beide kopiert

Der Regen hing noch in der Luft, als die ersten Screenshots von „Pickmon“ in meiner Timeline auftauchten. Bunte Kreaturen, runde Augen, eine Mischung aus Kuller-Charme und Kampfpose – und dazwischen eine Figur, die verdächtig nach einem Trainer aussah. Ich wischte weiter, doch der Algorithmus ließ nicht locker: Memes, Wut-Tweets, jubelnde Kommentare, Vergleiche, Rückblicke. Erst Palworld, das mit seinen Waffen und „Arbeitsmonstern“ wie eine dunkle Parallelwelt zu Pokémon wirkte – und jetzt Pickmon, das scheinbar beides in einen Mixer wirft. Irgendwo zwischen Déjà-vu und digitalem Futterneid fragte ich mich: Sind wir gerade Zeugen einer neuen Welle von „Kopien“ – oder bricht hier einfach eine alte Diskussion mit neuer Wucht auf?

Ein Déjà-vu in HD: Warum Pickmon so vertraut wirkt

Wenn du dir Pickmon anschaust, fühlt es sich an, als würdest du in einen Traum eintauchen, der aus anderen Spielen zusammengeflickt wurde. Die Farbpalette schreit nach „freundlicher Abenteuerwelt“, die Kreaturen wirken irgendwie bekannt, ohne dass man genau sagen kann, woher. Das ist dieser eigenartige Moment, den viele Spielerinnen und Spieler kennen: Man sieht etwas Neues – und doch fühlt es sich sofort altvertraut an.

Palworld hatte diese Wirkung bereits ausgelöst. Die ersten Trailer: kleine Monster, offene Welt, Sammelmechanik – und dann plötzlich Waffen, Fabriken, Fließbänder. Ein Meme-Sturm, halbe Internet-Analysen, Spekulationen: „Das ist doch einfach Pokémon mit Knarren!“ Jetzt schiebt sich Pickmon ins Bild, und der Reflex ist derselbe: „Moment … das kenne ich doch.“

Man spürt beinahe, wie sich eine ganze Generation von Pokémon-Fans in zwei Lager teilt. Die einen lachen: „Kopiert ruhig, Hauptsache mehr Monster zum Sammeln.“ Die anderen sind genervt: „Gibt es denn gar keine neuen Ideen mehr?“ Und dazwischen sitzen Leute, die beides denken und heimlich trotzdem jeden Trailer anklicken.

Palworld, Pokémon und das Echo der Kindheit

Um zu verstehen, warum Pickmon so viel Staub aufwirbelt, muss man zurückgehen – nicht nur zu Palworld, sondern in die eigenen Erinnerungen. Pokémon war für viele von uns die erste große Fantasiewelt, in der wir uns verlaufen wollten. Man saß als Kind mit dem klobigen Game Boy im Auto, im Zug, im Bett unter der Decke, nur das grün-graue Display und das Piepen im Ohr. Man kannte jedes Monster, jede Attacke, jede Route.

Diese Erinnerungen enden nicht an der Konsole. Sie hängen in unseren Zimmern von damals: Poster, Sammelkarten, Stickerhefte, der eine Freund, der immer das stärkere Team hatte. Pokémon ist längst mehr als ein Spiel – es ist ein kultureller Geruch, ein Geschmack, ein Geräusch. Und genau deswegen ist alles, was „so ähnlich“ aussieht, emotional aufgeladen.

Palworld hat diese Nostalgie gezielt angeritzt – und gleichzeitig gebrochen. Wo Pokémon freundlich, kindgerecht und moralisch weich gepolstert ist, zeigte Palworld Monster im Minenstollen, Bewaffnung, Ausbeutung. Das war kein Zufall, sondern Provokation: ein dunkler Spiegel für ein heiliges Franchise. Pickmon wiederum wirkt – zumindest auf den ersten Blick – weniger subversiv, eher wie eine glatte Mischung: ein bisschen Pokémon-Charme, ein Hauch Palworld-Ästhetik, ein rundgeschliffenes Produkt für den Markt, der gerade heiß ist.

Erwartungen, die wir selbst erschaffen

Spannend ist, dass viele Diskussionen mehr über uns verraten als über die Spiele. Wenn wir Pickmon sehen, projizieren wir unsere Wünsche und Verletzungen hinein: die unerfüllten Träume davon, wie „unser perfektes Monster-Spiel“ aussehen müsste. Für manche ist Palworld schon die Rebellion gegen ein Pokémon, das ihnen zu brav, zu langsam, zu formelhaft geworden ist. Für andere ist jede Annäherung an dieses Konzept eine Art Sakrileg.

Pickmon kommt in genau diese Reibungsfläche hinein – und löst damit aus, was längst in uns brodelt.

Wie ähnlich ist „zu ähnlich“? Die dünne Linie der Inspiration

Bei jedem neuen Spiel, das optisch oder mechanisch an ein großes Vorbild erinnert, taucht dieselbe Frage auf: Wo ist die Grenze zwischen Hommage, Inspiration und dreister Kopie? Und noch komplizierter: Wer entscheidet das? Das Gesetz? Die Fans? Die Presse? Am Ende meist: alle gleichzeitig und niemand endgültig.

Rein rechtlich ist vieles klarer als emotional. Man darf die Idee „Sammle Kreaturen, kämpfe mit ihnen, erkunde eine Welt“ nicht einfach besitzen. Genauso wenig wie „Springe auf Plattformen“ oder „Fahre ein Auto gegen andere Autos“. Was geschützt ist, sind konkrete Figuren, Logos, Namen, Designs – nicht das generelle Konzept. Genau dazwischen bewegen sich Spiele wie Palworld und jetzt Pickmon wie auf einem schmalen Grat.

Ähnlichkeit, die wehtut, und Ähnlichkeit, die willkommen ist

Man kann Ähnlichkeit hassen und gleichzeitig von ihr abhängig sein. Niemand würde sich ein komplett fremdes, emotionsloses System wünschen – wir mögen Wiedererkennbarkeit. Genres funktionieren, weil wir wissen, was uns erwartet: Shooters, RPGs, Farming-Games. Das Vertraute ist ein Versprechen, dass wir uns zurechtfinden, dass unsere gelernten Muster etwas taugen.

Doch sobald ein Spiel zu sehr nach einem anderen aussieht, kippt es. Es fühlt sich dann an, als würde jemand an etwas rühren, das uns gehört – an „unserem“ Pokémon, „unserem“ Kindheitsgefühl. Genau dieses leichte Unbehagen schwingt in den Reaktionen zu Pickmon mit. Nicht nur: „Das sieht aus wie Pokémon und Palworld.“ Sondern eher: „Das sieht aus wie meine Erinnerungen, nur in billig kopiert.“

Zwischen Faszination und Müdigkeit: Was Spieler wirklich wollen

In Foren, Kommentarspalten und Diskussionen wiederholt sich ein Muster. Die einen schreiben: „Mir egal, ob’s kopiert ist, Hauptsache es macht Spaß.“ Die anderen: „Ich bin müde von dieser Welle aus safe kalkulierten Projekten, die nur Trends hinterherrennen.“ Beide Perspektiven haben ihre Berechtigung.

Denn ja, Trends ziehen. Palworld war ein viraler Erfolg, weil es zwei starke Reize kombinierte: Monster-Sammeln plus kontroverse, fast schon zynische Mechaniken. Es war wie ein Autounfall in Niedlichkeits-Optik – man wollte wegschauen, konnte aber nicht. Pickmon tritt in eine Welt, in der dieses Konzept bereits explodiert ist. Viele Augen sind neugierig. Noch mehr Augen sind skeptisch.

Die stille Sehnsucht nach Risiko

Zwischen all dem Lärm lugt eine andere Sehnsucht hervor: der Wunsch nach echten Überraschungen. Spielerinnen und Spieler werden anspruchsvoller, gerade weil sie so viel gesehen haben. Es reicht längst nicht mehr, nur das Bekannte zu polieren und in ein neues Kostüm zu stecken. Man will spüren, dass hinter einem Spiel eine Haltung steht, eine Vision, ein „Warum“, das tiefer geht als: „Weil der Markt gerade danach schreit.“

Genau hier wird sich entscheiden, was Pickmon sein wird. Ein weiterer Eintrag in die Liste der kurzgehypten Trendkopien – oder ein Spiel, das trotz seiner Ähnlichkeiten etwas Eigenes zu sagen hat. Der Unterschied ist subtil, aber deutlich spürbar, wenn man den Controller in der Hand hält.

Der Blick durch die Linse: Wie wir Spiele vergleichen

Wir leben in einer Zeit, in der jeder Frame eines Trailers analysiert wird. Einzelne Screenshots von Pickmon werden nebeneinandergestellt mit Palworld, mit Pokémon, mit anderen Monster-Sammelspielen. Augen, Ohren, Social Media – alles ein Scanner. Und natürlich tauchen Parallelen auf: Oh, der Blick dieses Monsters erinnert an XY, die Farbwelt an jenes, das UI an dieses Spiel.

Vergleiche sind unvermeidlich. Aber sie formen auch unsere Wahrnehmung stärker, als wir denken. Wenn dir jemand sagt: „Das ist nur ein Pokémon-Klon“, betrittst du das Spiel mit dieser Brille. Jede Ähnlichkeit bestätigt dann die Vorannahme. Jede kleine Abweichung wirkt wie ein zu schwacher Versuch, anders zu sein.

Die Magnetkraft von Narrativen

Geschichten haben eine enorme Macht. „Palworld ist Pokémon mit Waffen.“ „Pickmon kopiert beide.“ Solche Sätze sind griffig, einfach, leicht teilbar. Sie erklären komplexe Sachlagen mit einem Schlag – und verzerren sie dabei oft. Denn kein Spiel existiert im Vakuum, kein Entwicklerteam arbeitet ohne Einflüsse.

Die Frage ist nicht, ob ein Spiel ähnliche Elemente hat. Sondern: Was macht es damit? Führt es sie nur aus Bequemlichkeit zusammen – oder entsteht daraus eine neue Erfahrung, ein neuer Ton, eine neue Perspektive auf ein vertrautes Genre?

Die Ökologie der Spiele: Ein kleines Vergleichsbild

Stell dir die Spielelandschaft wie ein Ökosystem vor. Große Bäume wie Pokémon spenden Schatten und setzen den Ton. Unter ihrem Blätterdach wachsen kleinere Pflanzen, die mal imitieren, mal experimentieren, mal parasitär wirken, mal symbiotisch. In diesem Wald stehen nun Palworld und Pickmon – zwei Gewächse, die deutlich erkennbar im Schatten desselben Riesen gedeihen, aber auf unterschiedliche Weise.

Aspekt Pokémon (klassisch) Palworld Pickmon (Eindruck)
Grundidee Monster sammeln, trainieren, kämpfen Monster sammeln + Survival + Waffen + Work-System Monster sammeln, vertraute Ästhetik, Trend-Mix
Zielgruppe Familien, Kinder, Nostalgiker Ältere Spieler, Meme-Kultur, Streaming-Publikum Fans von Sammelspielen, neugierige Trendfolger
Ton & Stimmung Hell, freundlich, moralisch klar Ambivalent, teils zynisch, bewusst provokant Wirkt wie ein glatter Mittelweg zwischen beiden
Kontroverse Eher nostalgische Kritik als Skandale Debatte um Ausbeutung, Waffen, plagiatsnahe Designs Vorwurf: doppelte Kopie, wenig eigener Charakter

Solche Vergleiche sind nie perfekt, aber sie zeigen, worum es unter der Oberfläche geht: Identität. Nicht nur die Identität der Spiele, sondern auch unsere als Spielende. Wofür wollen wir unsere Zeit, unsere Aufmerksamkeit, unser Geld hergeben? Für eine variierte Wiederholung – oder für das Risiko, etwas Unfertiges, Rohes, Neues zu erleben?

Was bleibt, wenn der Hype verraucht?

Irgendwann wird der Social-Media-Sturm sich legen. Die Memes werden abebben, die lautesten Empörungskommentare irgendwo im Archiv verschwinden. Dann bleibt eine einfachere Frage übrig, die alle Hüllen durchdringt: Macht es Spaß?

Das klingt banal, ist aber der Kern. Wenn du irgendwann abends das Licht dimmst, das Headset aufsetzt, das Spiel startest – zählt nicht mehr, wie oft jemand „Kopie“ geschrien hat. Dann zählt nur, ob dich diese Welt hält, ob du neugierig bist, ob du beim nächsten Monsterfang lächeln musst oder innerlich gähnst.

Vielleicht ist Pickmon am Ende genauso schnell vergessen wie viele andere Trendspiele. Vielleicht wird es ein Geheimtipp. Vielleicht auch ein Paradebeispiel dafür, wie man sich an großen Vorbildern verhebt. Aber es kann uns schon jetzt etwas zeigen: wie empfindlich wir reagieren, wenn unsere kulturellen Wohlfühlzonen berührt werden.

Pokémon ist längst ein Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. Palworld hat gezeigt, wie man dieses Gedächtnis reizen, provozieren und neu verhandeln kann. Pickmon tritt nun auf die Bühne und hält uns einen Spiegel hin: Wie viel Originalität fordern wir wirklich ein – und wie oft sind wir einfach nur auf der Suche nach einer weiteren Dosis des vertrauten Gefühls, das wir als Kinder hatten?

Vielleicht lohnt es sich, diese Fragen mitzunehmen, bevor wir das nächste Mal vorschnell urteilen – oder hysterisch hypen. Denn am Ende sind es nicht nur die Spiele, die sich wiederholen. Manchmal sind es auch wir.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Pickmon wirklich nur eine Kopie von Pokémon und Palworld?

Pickmon wirkt stark inspiriert von beiden Reihen – optisch und vom Konzept her. Ob es „nur“ eine Kopie ist, hängt jedoch davon ab, wie eigenständig die Mechaniken, Figuren und die Spielerfahrung im Detail ausfallen. Ähnlichkeit allein macht ein Spiel noch nicht automatisch wertlos, sie sorgt aber für Skepsis.

Warum reagieren so viele Menschen so emotional auf solche Spiele?

Weil Reihen wie Pokémon eng mit Kindheitserinnerungen verbunden sind. Alles, was diese Bilder berührt oder „nachmacht“, fühlt sich schnell wie ein Eingriff in etwas Persönliches an. Palworld und nun Pickmon stoßen damit in eine Zone vor, in der Nostalgie, Besitzgefühl und Erwartungen aufeinanderprallen.

Ist es rechtlich erlaubt, so nah an Pokémon oder Palworld zu sein?

Grundideen wie „Monster sammeln und kämpfen lassen“ sind nicht schützbar. Problematisch wird es erst, wenn konkrete Designs, Namen oder Figuren nahezu identisch übernommen werden. Die Bewertung dessen ist komplex und liegt im Zweifel bei Gerichten, nicht bei Fan-Diskussionen.

Schaden solche „Klon-Spiele“ der Spielebranche?

Sie können dazu beitragen, dass sich Trends übernutzt anfühlen und Innovation ausgebremst wird. Gleichzeitig entstehen aus Nachahmung oft neue Ideen, wenn Entwickler bewusst versuchen, sich vom Vorbild abzugrenzen. Ob es schadet oder nützt, hängt davon ab, wie viel Eigenes letztlich in einem Spiel steckt.

Sollte ich Pickmon spielen, wenn ich Pokémon oder Palworld mag?

Das hängt von deiner Erwartung ab. Wenn du bewusst weißt, dass Pickmon in einem ähnlichen Fahrwasser schwimmt und du einfach Lust auf mehr Monster-Sammel-Gameplay hast, kann es interessant sein. Wenn du hingegen stark allergisch auf wahrgenommene Kopien reagierst und nach etwas radikal Neuem suchst, wirst du wahrscheinlich eher kritisch bleiben.

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